Mein Hund mäkelt, was kann ich tun? (06.10.2018)

Fast täglich werden Ernährungsberater mit dieser Frage konfrontiert. Aber was ist nun eigentlich mäkeln? Und was kann ich als Halter tun?

Zu allererst muss, wie bei fast allen Problemen, abgeklärt werden ob gesundheitlich organisch alles in Ordnung ist. Hat der Hund vielleicht eine Gastritis oder Probleme mit dem Darm ist es kein Wunder das er nicht fressen mag. Hier liegt es auf der Hand, die vorliegende Krankheit muss behandelt werden.

Was aber wenn organisch alles in Ordnung ist?

Es gibt fast unendlich viele Gründe warum der Hund nicht futtern möchte! Immer wieder gibt es den “klugen Tipp”:

Stell den Napf hin, warte max. 10 Minuten, dann kommt der Napf wieder weg! Wenn der richtig Hunger hat wird er schon fressen! Hör auf den zu verschmenschlichen!

Das finde ich ist das Schlimmste was man machen kann! Bitte hört damit auf! Na klar, bevor ein Hund verhungert wird er schon fressen. In diversen, manchmal fragwürdigen Experimenten wurde bereits untersucht was wir Menschen alles essen würden bevor wir verhungern, aber darum geht es doch nicht. Künstlich eine Situation zu schaffen die unseren Hund in eine große Notsituation bringt… das ist ekelhaft!

Dann gibt es genau so oft, gerne auch direkt zum genannten Tipp die Aussage:

ICH bestimme was mein Hund frisst, ich lasse mich doch nicht von dem manipulieren!

Wie furchtbar! In der Tat ist es in der Regel bei unseren Haushunden so das wir ohnehin alles bestimmen. Wir bestimmen wann der Hund raus geht und wohin, wann er markieren darf und ob. Wir bestimmen wo er liegen darf, ob er bellen darf, verbieten ihm das Knurren und auf das Sofa kommt er schon mal gar nicht! Wir bestimmen auch ob er mit uns mitkommen darf oder zu Hause bleibt ob gespielt wird oder nicht und sogar ob er seine “Freunde” treffen darf die wir ausgesucht haben! Es ist ganz egal was im Napf landet, Trockenfutter, Nassfutter, roh, gekocht, Rind, Huhn, Lamm und so weiter, WIR befüllen den Napf! Der Hund hat keine Wahl!

Umso schlimmer ist es, das viele von uns der Meinung sind der Hund darf nicht sagen das er etwas nicht mag. In der Tat ist es so, auch wenn es oft verwunderlich wirkt wenn man Hunde die absurdesten Dinge fressen sieht (Kot anderer, das eigene Erbrochene, etc.) das Hunde schon mal das ein oder andere schlicht nicht mögen!

Manchmal ist es auch aus einer Situation entstanden die wir Menschen gar nicht richtig wahrgenommen haben. Vielleicht hat der Hund nach dem letzten Lammgenuss Bauchweh bekommen. Das Geschmackmeidelernen ist sehr stark und verständlich. Uns geht es nicht anders, war uns nach der Pizza bei unserem Lieblingsitaliener schlecht und wir hatten vielleicht Durchfall, essen wir dort auch die nächsten Wochen sicher nicht mehr!

Wir haben es vielleicht nicht mitbekommen aber vielleicht ist es unserem Hund die letzte Mahlzeit nicht bekommen.

Vielleicht steht der Napf ungünstig. Manche Hunde fressen nur wenn sie mitten im Geschehen sind, andere nur wenn sie ihre Ruhe haben. Manche nur wenn sie ganz allein sind, andere wiederum würden dann niemals an den Napf gehen. Mein eigener Hund mag es am liebsten zu futtern wenn wir auch essen oder aber wenn ich zwar in der Wohnung aber nicht im selben Raum bin.

Der Napf an sich kann eine Rolle spielen. Metall und Plastiknäpfe sondern manchmal einen unschönen Eigengeschmack ab. Metallnäpfe scheppern auf dem Boden, vielleicht macht das Angst. Plastik riecht schon mal sonderbar, auch wenn wir es nicht wahrnehmen. Die Nasen unserer Hunde sind viel feiner und er steckt sie immerhin ganz hinein in den Napf.

Keramik und Glas haben sich bei vielen Hunden bewährt, aber auch diese können scheppern. Vielleicht liegt es auch an der Form, tatsächlich haben viele Hunde Probleme mit eckigen Näpfen, andere futtern nicht aus runden.

Mein eigener Hund braucht tatsächlich eine runde, recht große, flache Schüsseln, er frisst nicht wenn er mit seinem dicken Bart ganz ins Futter eintauchen muss und ich kann es verstehen. Genauso ist es für einen Mops oder eine Bulldogge oft schwer aus zu hohen Gefäßen zu futtern.

Ihr seht es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten warum ein Hund nicht fressen will und es gibt noch zig andere! Bitte zwingt eure Hunde nicht das was IHR ausgesucht habt, aus dem Napf EURER Wahl, in einer Umgebung die EUCH passt zu futtern. Sprecht im Zweifel uns Ernährungsberater an.

Manchmal kommt es auch vor, dass weder das Futter noch der Napf oder die Umgebung das Problem sind sondern z.B. eine Unsicherheit! Es kann passieren, dass ein Hund mit starker Trennungsangst nicht futtern kann wenn er sich nicht absolut sicher ist das der Mensch nicht abhaut. Hier sollte mit einem positiv arbeitenden Verhaltensberater zusammen besprochen werden was man tun kann.

Vielleicht gibt es noch mehr Hunde oder auch Kinder im Haushalt woraus Unsicherheiten und/oder Ängste entstehen. Hier sollte man vielleicht sogar mit einem Ernährungs- und Verhaltensberater zusammen nach einer Lösung suchen.

Es kann aber auch passieren das der Mensch einfach nervt! Viele Halter stehen enorm unter Druck wenn der Hund nicht frisst, zum einen weil unser Empathieempfinden uns sagt das es dem Hund schlecht geht, zum anderen weil man immer hört “Bleib hart!”. Oft führt das dazu, dass der Mensch den Hund drängt. Ständig rennt er mit dem Napf hinterher, der Hund wird fast schon belästigt und so entsteht Druck auf beiden Seiten. Der Mensch will nichts mehr als das der Hund frisst und der Hund hat das Futter schon lange mit dem Bedrängen verknüpft…

Ihr seht, die Ursachen für mäkelige Esser können vielfältig sein. Also sucht gern Hilfe, sprecht uns Ernährungsberater an aber vor allem setzt weder euch noch euren Hund unter Druck! Manchmal löst sich das Problem dann schon von allein.

Vielen Dank an Carolin Caprano für das wunderbare Bild von Puma





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