Beratung - wie geht das eigentlich? (09.05.2019)

Viele Menschen können sich gar nichts unter der Arbeit als Ernährungsberater für Hunde vorstellen. Sicherlich können die meisten von euch, die diesen Artikel lesen zumindest, in etwa sagen was wir so machen, ihr wisst zumindest von unserer Existenz :-)

Warum wenden sich Hundehalter überhaupt an uns? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es so unfassbar viele Gründe gibt. Natürlich, viele Halter suchen sich jemanden mit fundiertem Wissen wenn der Hund eine Krankheit hat. Hier spielt es kaum eine Rolle ob wir über eine Nierenerkrankung, Bauchspeicheldrüsenerkrankung, Krebs, ein Leberproblem oder oder oder sprechen. In den meisten Fällen kann man mit der Ernährung noch viel erreichen, zumindest unterstützen. Selbst in Demenz Fällen ist noch einiges möglich, auch wenn wir die Grunderkrankung sicher nicht heilen können, so können wir doch für mehr Wohlbefinden und oftmals eine Verzögerung der Erkrankung sorgen.

Aber das ist längst nicht alles. Häufig bekommen wir Anfragen von Welpenbesitzern die ihren Zögling bestmöglich versorgt wissen möchten. Oder es kommen Hundebesitzer mit Beratungswünschen für Hündinnen die tragend sind oder bereits Welpen geboren haben auf uns zu. Wobei es natürlich am allerschönsten ist, wenn man als Ernährungsberater bereits in die Belegungspläne mit einbezogen wird. Denn man kann auch hier im Vorfeld, sowohl der Hündin, als auch dem Rüden schon ernährungsphysiologisch gut zur Seite stehen.

Leider werden viele Menschen heute aber auch durch die (sozialen) Medien enorm verunsichert. Man wird abgestempelt und angepöbelt wenn man in der falschen Gruppe das falsche sagt. Viele Fütterungsformen werden zur Religion erhoben und nichts anderes darf neben dieser existieren.

Ich habe viele Patientenbesitzer in der Beratung die eigentlich schon alles richtig machen oder zumindest richtig machen würden aber sich eben nicht trauen und schlichtweg Unterstützung brauchen. Jemand der sie an die Hand nimmt und sagt “Hey, trau dich! Es ist egal was in den sozialen Netzwerken behauptet wird oder was deine Nachbarin sagt, du machst das schon ganz richtig!”

Natürlich gibt es noch x andere Gründe sich an uns Ernährungsberater zu wenden, alle aufzuzählen wäre einfach überflüssig. Jeder der irgendeine Art der Unsicherheit in sich hat und erscheint sie noch so gering oder lächerlich kann sich guten Gewissens an einen gut ausgebildeten Ernährungsberater wenden. Ein seriöser Berater wird niemanden belächeln oder für dumm verkaufen, wir sind froh wenn ihr euch eben nicht in den sozialen Medien informiert und nicht erst dann zu einem Experten kommt wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Wie läuft so eine Beratung denn nun überhaupt ab?

Jeder Ernährungsberater hat natürlich seine eigene Vorgehensweise, ich kann euch nur meine erläutern und auf ein, zwei Punkte hinweisen.

Wenn ihr Kontakt mit mir aufnehmt, auf welchem Weg auch immer (ihr könnt mir eine E-Mail schreiben, das Kontaktformular auf meiner Homepage nutzen, eine WhatsApp schreiben, anrufen, SMS und wenn es euch lieber ist auch einen Brief schicken), besprechen wir kurz euer Problem bzw. euer Anliegen.

Ihr werdet bei mir nie erfahren, dass ich euch, euren Hund oder eure Probleme nicht ernst nehme oder das ihr euch für irgendetwas rechtfertigen müsst, niemals!

Nachdem wir die groben Eckdaten geklärt haben sende ich euch meinen Fragebogen, das ist meine Arbeitsgrundlage. Neben persönlichen Daten von euch und eurem Hund, werden darin eventuelle Vorerkrankungen, bereits bekannte Unverträglichkeiten, die aktuelle Fütterung etc. abgefragt. Außerdem werdet ihr gebeten, sofern diese vorliegen bzw. existieren mir aktuelle Blutbilder, Kotscreens etc. mit zu schicken, sowie Fotos eures Hundes aus verschiedenen Perspektiven.

Wenn ich diesen Fragebogen zurück bekomme lese ich mir alles in Ruhe durch und stelle euch evtl. weitere Fragen. Diese Fragen stelle ich natürlich nicht um euch zu nerven, ich möchte euch bestmöglich beraten und das kann ich nur wenn alle Fragen geklärt sind. Der Fragebogen klopft die Oberfläche ab, es ist ein allgemeiner Fragebogen. Alles was sonst wichtig ist erfrage ich separat.

Ich möchte euch und mir unnötigen Zeitaufwand und Geld ersparen.

Ein Beispiel, angenommen jemand schreibt “Mein Hund hat immer wiederkehrenden, weichen Kot. Ich glaube er verträgt das ein oder andere Futtermittel nicht, ich will das es aufhört.” Dann wäre meine Frage, wenn es nicht klar beantwortet ist “Was bekommt er denn in welcher Menge an Futter?” Das frage ich um nachvollziehen zu können ob hier vielleicht schon ein Problem besteht. Ab und an bekomme ich dann die Antwort “Ich schicke dir gleich meinen Plan, einen neuen brauche ich nicht, ich will nur das der Kot normal wird”. Das ist dann z. B. der Punkt an dem ich weitere Fragen stellen würde, nicht um euch zu ärgern, ich möchte sicher gehen dass wir über das Gleiche sprechen und ich mich nicht hinsetze, eure Ration überprüfe, eventuell sogar eine neue erstelle, eine Beratung anfertige und und und, euch Betrag X berechne damit ihr dann irritiert seid, weil ihr nur eine allgemeine Beratung wolltet die günstiger gewesen wäre.

So, also wenn all das geschehen und alles soweit geklärt ist schreibe ich eure Rechnung und sende sie euch. Sobald diese bezahlt ist mache ich mich an die Arbeit. Im Schnitt dauert es 9-14 Tage bis ich euch eure Beratung und den Ernährungsplan als PDF zusende. Wenn es enorm eilig ist bei euch habt ihr immer die Möglichkeit den Eilzuschlag zu buchen, hier bekommt ihr eure Unterlagen innerhalb von 3 Tagen.

Oft taucht nun die Frage auf: 9-14 Tage? Was dauert denn da soooo lange? Du machst doch nichts anderes, das muss doch fix von der Hand gehen wenn man da Ahnung von hat…

Das stimmt so schlicht nicht. Jeder Hund ist anders und jeder Hund ist ein Individuum! Natürlich, bei manchen Krankheiten weiß man aus Erfahrung was zu tun ist, bei anderen wiederum müssen auch wir recherchieren, suchen und verstehen. Wir müssen schlussendlich wissen und verstehen wie der Hundekörper funktioniert, wenn ich ihm nun Zusatz X gebe, worauf, auf welche Parameter hat dies Einfluss, etc.

Bei einer guten Ernährungsberatung ist es auch nicht damit getan ein paar Lebens- oder Futtermittel zu nehmen und sie prozentual aufzuteilen. Wir sitzen, sehr unromantisch über Exceltabellen und rechnen und rechnen und rechnen. Vor allem bei einigen Krankheiten ist dies wirklich existenziell. (Trotzdem beraten wir natürlich auch gern bei offenen Fragen im ABAM oder Clean Feeding Bereich, wo wir die Rechnerei nicht so genau nehmen, man aber trotzdem sollte ein, zwei Dinge beachten sollte!)

Außerdem sitzen auch wir ja nicht am Schreibtisch und warten auf eine Anfrage, wir haben streckenweise den Tisch voll und nehmen uns für jeden Patienten die notwendige Zeit! Viele von uns leben von diesem Beruf, andere arbeiten noch in einem Haupt- oder Nebenjob. Und wir bilden uns natürlich fort, auch das kostet enorm Zeit.

Ich möchte nicht sagen, dass wir arme Menschen sind, auf gar keinen Fall, ich möchte nur an euer Verständnis appellieren. Wir haben uns das ausgesucht und der größte Lohn für uns ist es wenn ihr uns sagt, “Mensch, Dankeschön, dank deiner Hilfe, geht es meinem Hund wieder besser!” Genau dafür machen wir das. Aber trotzdem müssen wir Mieten, Aus- und Weiterbildungen, Essen, Strom etc.wie jeder andere auch bezahlen.

Zu guter Letzt, woran erkenne ich überhaupt einen gut ausgebildeten Ernährungsberater?

Das ist leider wirklich gar nicht so einfach zu beantworten, ein bisschen Bauchgefühl gehört da sicher zu. Schaut das dieser Mensch eine mehrmonatige Ausbildung abgeschlossen hat. Leider gibt es viele Wochenendlehrgänge mit anschließendem Zertifikat.

Ein guter Ernährungsberater sollte sich umfassend mit der Ernährung von Hunden auskennen und nicht auf eine Ernährungsform festgelegt sein. Er sollte dir auch nach der Beratung noch für Fragen zur Verfügung stehen, dich auf gar keinen Fall verurteilen weil du Trockenfutter füttern möchtest und er muss dir sympathisch sein. Das wahrscheinlich wichtigste ist außerdem dass der Ernährungsberater unabhängig arbeitet. Es steht jedem frei mit einer Futtermittelfirma zu kooperieren, es gibt gute Gründe die dafür sprechen. Natürlich wäre es auch für mich gewinnbringend mit einem Hersteller zusammen zu arbeiten aber dann knebel ich mich unter Umständen selbst und kann euch nicht bestmöglich beraten.

Ich hoffe ich konnte euch meine Arbeit etwas näher bringen! Wenn ihr weitere allgemeine Fragen zu meinem Vorgehen, zu meiner Ausbildung, etc. habt meldet euch doch einfach, schreibt mir eine E-Mail oder WhatsApp, dann beantworte ich gern eure Fragen.